Konzept

Ein Haus wie ein Gedicht? Wer sich dem Bürogebäude in der Hanauer Landstraße 220 von der Seite nähert, dem springt ein Goethe-Gedicht ins Auge. Und an  der westlichen Wand prangt ein Text des deutschen Pop-Musikers Peter Licht. Diese Lyrik in riesigen Lettern ist Fassaden-Schmuck und zugleich Markenzeichen des Eigentümers und Bauherrn: Ardi Goldman. Das 1965 als Fabrik errichtete Haus war Goldmans erste Firmenzentrale. Und schwer in die Jahre gekommen.  Getreu ihrem Motto „Orte begreifen, Räume gestalten, Atmosphäre schaffen“ hauchten hgp Architekten Frankfurt dem Betonklotz neues Leben ein. Und dies in nur acht Monaten. „Das Haus wurde technisch ertüchtigt, teilweise neu organisiert und ästhetisch ins nächste Jahrtausend geführt“, sagt Markus Leben, einer der beiden HGP-Eigentümer.

Der Umbau des Gebäudes mit rund 4300 Quadratmetern Fläche auf acht Stockwerken – nebst Tiefgarage – glich einer Operation am offenen Herzen. Drei Geschosse wurden vollständig entkernt, von Grund auf neu organisiert und realisiert. Wer sich einen Reim auf das Gebäude machen will, muss die Fassade betrachten.  Optischen Halt gibt ihr der Sockel. Erdgeschoss und 1. Stockwerk tragen Klinkerriemchen. Sie betonen die Kanten und die Dachlinie. So erhält die Hanauer 220 einen würdigen Rahmen. Er umschließt sechs horizontale Fensterbänder, von denen keins dem anderen gleicht. Knapp ein Dutzend unterschiedlicher Segmente aus quadratischen, dann wieder pfeilerbreiten Fenstern sowie verblendeten Scheinstützen wechseln sich ab. Auf die Fassade gemalte Linien überspringen Fenster, schließen Lücken, schaffen Verbindungen: ein Netzwerk unvollständiger vertikaler Linien.

Bei den eleganten Steinen der Fassade handelt es ich um Münsterländer Klinker. Die Riemchen werden handwerklich gemauert und direkt auf die wärmedämmenden Platten aufgeklebt. Stein um Stein echtes Handwerk. So werden sie auch verfugt.

Kunstvoll gemusterte Teppiche ziehen den Besucher dynamisch zu den Empfangstresen, Büros und Besprechungszimmern. Die ehedem  langweilig standardisierten Türen wurden ersetzt, auf die Oberlichter verzichtet. Jetzt reichen die von den Proportionen auf den ersten Blick ungewohnt schmalen Blätter fast auf drei Meter hinauf. Wer hier eintritt hat einen Auftritt.                                        

ou/Juli 2015

H220, Büro- und Geschäftshaus
Hanauer Landstraße 220, Frankfurt am Main

Bauherr Benjamin Goldman Nachlass
Goldman Immobilien GmbH

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